2000 Kosovo

Im Jahr 1999 war der Kosovo-Krieg ...der Krieg, der uns (unter diesem Namen) bekannt ist. Ein Jahr später im September war ich dort. Das Engagement der Soldaten für den Frieden und der Kampf der UNMIK-Leute gegen die UN-Bürokratie war beeindruckend.

Dank der Gastfreundschaft der Bundeswehr bekam ich interessante und ungewöhnliche Einblicke in ihre Arbeit ...zum Beispiel der Scharfschützen und dem Serben-Viertel in Prizren.

Fest im Blick

Die Scharfschützen haben uns fest im Blick. Wir wissen es.

Plötzlich tauchen uns Scheinwerfer in gleißendes Licht. Ein Bewegungsmelder hat auf uns reagiert. Im Funkgerät hört man: "Adler an Auge. Sie passieren den oberen Eingang.", "Auge an Adler. Wir sehen sie."

Langsam gehen wir weiter. Die Dämmerung nimmt zu. Zerstörte Gebäude, gesprengt, abgebrannt... leere Gassen, verlassene Häuser... im Licht der aufziehenden Nacht noch bedrückender. Einst lebten hier 2000 Serben. Hier, im Serbenviertel von Prizren. Heute sind es noch etwa ein Dutzend, gefangen in diesem trostlosen Gefängnis, umgeben von 16 km NATO-Stacheldraht. Aber Ausserhalb wartet der Tod auf sie. Sie wissen es.

Für uns unsichtbar bleiben die Leuchtfallen oder die Signalmarkierungen. Genauso unsichtbar wie die Bewohner. Wir hören nur unsere eigenen Schritte und sehen ein schwaches Schimmern aus ein, zwei Häusern. - Wir flüstern "Serben?" - "Ja, Serben."

Wir gehen weiter. An einer Weggabelung steht ein Wassertank. Löschwasser für den nächsten Brandanschlag. Dann ein Platz, ausgeleuchtet bis in die letzte Ecke. Barrikaden und viel Stacheldraht versperren den Weg. Im Zick-Zack laufen wir hindurch. "Auge an Adler. Sie haben den unteren Eingang passiert.", "Adler an Auge. Verstanden, sie haben das Gebiet verlassen."

Wir gehen weiter. 20 m... 50 m... um uns herum Kneipen, Cafes, Restaurants im Neonlicht. Es ist voll hier an diesem lauen Herbstabend. Stolze Burschen und hübsche Mädchen. Sehen und gesehen werden. Aus einer Disco tönt Techno heraus. - Ob es die Serben bis hier schaffen würden ...bevor man sie abschlachtet?

Offiziell ist der Krieg seit über einem Jahr beendet.

Beendet? - Nein, er macht nur Pause...

(Anmerkung 2007: Am 17. und 18. März 2004 kam es im Kosovo zu einem bürgerkriegsähnlichen Ausbruch ethnischer Gewalt. Bis heute ist der Kosovo nicht zur Ruhe gekommen. Und das o.g. Viertel ist nun "Serbenfrei".)

 

Scharfschützen

Aus den Nachrichten kennen wir die Meldungen: Heckenschützen haben da und dort wieder aus den umliegenden Bergen Terror unter der Bevölkerung einer Stadt verbreitet. Ich habe mich immer gefragt, wie sowas möglich ist bzw. was dies für Waffen sind.

Ich hatte Gelegenheit von hoch oben über Prizren die Waffe G22 der Bundeswehr-Scharfschützen zu bedienen und die Stadt "auf's Korn" zu nehmen (ohne Munition versteht sich!). Da wird es glaubhaft, dass selbst ein absoluter Laie über 400 m eine Ersttrefferwahrscheinlichkeit über 90 % hat. Die Profis kommen auf weit über einen Kilometer (je nach Wind) bzw. treffen auf 200-300 m ein 1 DM-Stück. Die Zieleinrichtung mit dem Fernrohr (bis 12x)... super klares Bild. Die Peilung über das Zweibein... leicht und handlich.

Oder anders ausgedrückt: erschreckend einfach. Denn wenn man an den Zweck denkt: mit "Ziel" (aka 30 cm-Kreis) ist der menschliche Kopf gemeint. Technische Faszination und Verwendungszweck passen leider nicht immer so zueinander, wie man es sich wünscht.

Bernard Henter, Niederstr. 40, 47877 Willich, Tel 02154-6238, email info@henter.name