2016 Borkum

Bei den Geschenken zu unserer Hochzeit war auch ein Gutschein über fünf Nächte auf Borkum. Mit 10 km Länge und bis 7 km Breite (bzw. 31 Quadratkilometer) ist es die größte Ostfriesische Insel. Es war so in etwa wie eine zweite Hochzeitsreise, diesmal jedoch heimatnah und mit Schwerpunkt auf Erholung und spätem Frühstück. Um den jährlich rund eine viertel Million anderen Touristen möglichst auszuweichen, haben wir die Nebensaison favorisiert. Statt großes Gepäck und Fotokameras begleiteten uns unserer Trolleys, Smartphones und Tablets. Statt Reiseführer reichten diesmal eine gute Inselkarte und Internet.

Dienstag, 2016-03-01: Ab auf die Insel!

Wir wählten den Weg über den niederländischen Seehafen Eemshaven, der über die A31 gerade mal 300 km entfernt ist. Dort stellten wir den Wagen ab und nahmen um 12 Uhr die einzige Fähre des Tages. Eine Stunde später erreichten wir den Inselteil Reede. Ein Bus brachte uns zur Stadt Borkum mit ihren gut 5.000 Einwohnern. Unser Sporthotel Bloemfontein lag am Stadtrand.

Natürlich stand nach dem Einchecken ein erster Rundgang zur Orientierung an. Vom Hotel in die Stadtmitte waren es anderthalb Kilometer. Ein scharfer Wind und hartnäckiger Regen durchnässten uns nach und nach bis auf die Haut. Wir wünschten uns eine Einkehrmöglichkeit, irgendeine, aber jetzt in der Nebensaison hatten viele noch Betriebsferien oder ungünstige Öffnungszeiten. Durchnässt und in beißender Kälte immer wieder vor verschlossenden Türen zu stehen, drückte deutlich auf die Stimmung. Auf dem Rückweg versorgten wir uns in Hotelnähe bei einem Markant Supermarkt. Den Rest des Tages trockneten und wärmten wir uns, aßen unsere bescheidenen Einkäufe und gingen früh schlafen.

Mittwoch, 2016-03-02: Aquarium & Knobelkiste

Beim Blick aus dem Fenster sahen wir Rauhreif, aber es versprach trocken und sonnig zu werden. Unser Spaziergang führte uns zunächst nach Süden zur Heimlichen Liebe. Gleich nebenan ist die Signalstelle. Den Turm mit seiner Dachterrasse kann man zwar als Ferienwohnung mieten, ist jedoch auf über ein Jahr ausgebucht. Gleich nebenan findet sich das neue, nun städtische Nordsee Aquarium. Wir hatten Glück. Es war wenig los und der ehemalige Betreiber erklärte uns leidenschaftlich sein ehemaliges Aquarium. Es war ein empfehlenswerter und fazinierender Besuch, obwohl das Aquarium mit seinen 16 Becken im Vergleich zum fast 7.000 qm großen Aquazoo geradezu winzig ist.

Nach einem Regenschauer gingen wir weiter den Strand entlang und erreichten zur Mittagszeit die noch im Halbschlaf der Nebensaison befindliche, überschaubare Stadt. Wir ließen uns kreuz und quer umher treiben, machten einen Geocache, fanden eine Kirche mit riesigen Tintenklecksen an der Decke, besuchten die Touristeninfo und wurden hungrig. Uns waren bereits Plakate mit Borkums Gerichte - Borkums Geschichte aufgefallen. In einer Fußgängerzone fanden wir die daran teilnehmende Brasserie. Das dreigängige Fischmenue war lecker, sättigend und mit unter 20 Euro zudem ausgesprochen günstig. Gleich gegenüber der Brasserie fanden wir die Knobelkiste, ein Geschäft, welches Beate noch aus dem vorigen Jahrhundert kennt. Es fiel uns schwer, den Laden wieder zu verlassen. Es gelang aber, nachdem wir ein paar Andenken gekauft hatten.

Donnerstag, 2016-03-03: Fahrräder & Feuerschiff

Die Nebensaison hat zahlreiche Vorteile. Zu den Nachteilen gehört, dass wir uns verschaukelt vorkamen, wenn wir mehrmals den Hinweisschildern zu einem Fahrradverleih folgten, dieser dann aber Betriebsferien hatte. Der vierte Verleih, Fahrradverleih Tente, hatte geöffnet. Wir mieteten die zwei gut gepflegten Sieben-Gang-Fahrräder direkt bis Sonntag. Von der Anmietung (keine Kaution, kein Ausweis) über den Preis (in Summe 35 Euro) bis zur Rückgabe (einfach abstellen und die Schlüssel in den Briefkasten) war es erfreulich unkompliziert. Von der Stadt fuhren wir im Bogen entlang der Franzosenschanze zum Flughafen und weiter zum Hafen ganz im Südosten der Insel.

Von weitem sichtbar war der Seenotrettungskreuzer Alfried Krupp. Unser Ziel war jedoch eine Führung durch das Feuerschiff Borkumriff IV. Dieses Nationalparkschiff dient als Informations- und Bildungs­einrichtung des Nationalparks Wattenmeer. Wir hatten Glück. Eine engagierte Bufdi führte uns mit zwei weiteren Touristinnen umher, brachte uns Flora & Fauna näher, sensibilisierte uns für das UN-Weltnaturerbe Wattenmeer, erklärte die Technik hinter dem "schwimmenden Leuchturm" und erzählte auch von ihrem besonderen Leben auf dem Schiff. So erfuhren wir auch, dass die Mitglieder vom Föderverein Borkumriff das Schiff fahrtüchtig halten.

Der Rückweg führte uns zunächst zur Brasserie. In gemütlicher Atmosphäre bei einem friesischen Tee und leckerem Essen wärmten wir uns auf und fuhren dann erst zurück in unser Hotel.

Freitag, 2016-03-04: Seehunde bei Ebbe im Wind

Frühstück gab es bis nach 10 Uhr, Niedrigwasser war für 12 Uhr berechnet und für den Nachmittag war heftiger, stürmischer Regen vorausgesagt. Somit waren die Eckpunkte des Tages festgelegt. Nach dem Frühstück fuhren wir zum Westrand der Insel, stellten unsere Fahrräder ab und wanderten hinaus zur Seehund-Bank Hohes Riff. Der Wind blies mit Windstärke 7 und in Böen 10 und der Sand fegte uns um die Knöchel. Die Seehunde schienen unbeeindruckt davon ...so weit wir das aus der Ferne sehen konnten. Ihre Schutzzone war deutlich abgesperrt und ließ viel Raum zu den störenden Menschen. Bei unserem nächsten Besuch machen wir vielleicht besser eine Watt- und Seehundführung mit.

Bevor wir zurück gingen, sahen wir weit in der Schutzzone Leute und vom Land her kommend die Polizei. Wer das Leben der Tiere kennt und die Bedeutung der Schutzräume begreift, wird von sich aus deren Grenzen respektieren. Die anderen müssen halt einfach gehorchen oder bekommen ihre Lektion von der Polizei.

Zum Mittagessen besuchten wir in Hotelnähe das Restaurant Zum Störtebeker. Ein gutes Essen in traditioneller Atmosphäre bot Entspannung. Weitere Ruhe und Entspannung pflegten wir den Rest des Tages auf dem Hotelzimmer, während draußen Wind, Regen und Kälte wüteten.

Samstag, 2016-03-05: Rundreise zum Museum

Der Wetterbericht versprach Sonne und wenig Wind bei gemäßigten Temperaturen. Dies nutzen wir zu einer Inselrundfahrt per Fahrrad. Den Südosten mit dem Hafen ließen wir aus. Vom Hotel ging es am Solarpark vorbei, über den neuen Seedeich bis zu den Steerenklippdünen. Dann fuhren wir weiter quer durch das Ostland zum ehemaligen Muschelfeld, machten unterwegs einen Geocache und besuchten den Aussichtspunkt "Seeblick". Mittags erreichten wir die Stadt und kehrten zum Mittagessen ein letztes Mal in der Brasserie ein.

Abschließend war ein kurzer Besuch mit Führung im Heimatmuseum geplant. Das Museum entpuppte sich als Überraschung, war es doch von innen deutlich größer als es von außen aussah. Die Führung begann um 15 Uhr und brachte uns lebendig die Geschichte von und das Leben auf Borkum näher. Am Ende der Führung um 17 Uhr endete leider auch die Öffnungszeit des Museums. Für uns klar: Da müssen wir bei unserem nächsten Borkum-Besuch nochmal hin!

Sonntag, 2016-03-06: Ab nach Hause!

Koffer packen, Fahrräder abgeben, ein letzter Bummel durch die Stadt und über den Strand zurück zum Hotel: Der Vormittag verging schnell.

Um 13:34 Uhr stiegen wir am Bahnhof in die Kleinbahn ein, die uns zum Hafen brachte. Die Fähre brauchte wieder eine Stunde nach Eemshaven. Und unser Auto brauchte keine drei Stunden nach Düsseldorf. Um 18 Uhr schauten wir bereits zu Hause in der Küche mit einem Tee die Post der letzten Woche durch.

Bernard Henter, Niederstr. 40, 47877 Willich, Tel 02154-6238, email info@henter.name